WENG Medizin- & Labortechnik

Wissenswertes

Instrumentenhygiene zum Schutz des Patienten



Die moderne Medizin ist ohne ihre technische Ausrüstung nicht mehr denkbar. Letztere verhilft zu einer optimalen Behandlung und zum Heilungserfolg und ist längst nicht mehr nur bloße Unterstützung des Arztes. Ihr Einsatz ist vielfältig und hat diversen medizinischen Fachbereichen bereits ihren Namen gegeben.
Die Arthroskopie ist hier ein klassisches Beispiel für einen Bereich, der auf der Nutzung eines Medizinproduktes, einem speziell für die Gelenkspiegelung
entwickelten Endoskops, basiert und so auch den Namen der Behandlung und des Fachbereiches geprägt hat. Mit dieser enormen Bedeutung der Instrumente
und deren zunehmenden Komplexität bei gleichzeitiger Abnahme der körperlichen Ausmaße – Stichwort Minimalinvasivität– entsteht aber auch als Rückseite der Medaille ein durch das Instrumentarium bedingtes Infektionsrisiko, das nur durch sichere und nachhaltige Aufbereitung der jeweiligen Instrumente bewältigt werden kann.
Zudem führen immer neue Infektionsarten und die Residenzbildung gegen die bekannten Arzneimittel dazu, auch einfachste Instrumente nachhaltig aufzubereiten, damit einer Infektion bereits im Vorfeld begegnet werden kann.


 

Ein bisschen Geschichte...


Bakterien sind in der biologischen Entwicklungskette unsere Urahnen. Mikroorganismen und Infektionen bestehen in der Naturgeschichte seit Anbeginn. Daher musste sich der Mensch schon frühzeitig, zuerst empirisch, später wissenschaftlich, mit der Problematik der Hygiene beschäftigen.

Trepanierte Schädel aus ur- und frühgeschichtlichen Fundgruben weisen auf primitive, dennoch erfolgreiche Hygienemaßnahmen im Hinblick auf Verbandtechniken. Betrachtet man aus solchen Zeiten die Schädel der Patienten, die postoperativ eindeutig überlebt haben (Kallusbildung), so muss man feststellen, dass die gefährliche, oft tödliche Wundinfektion anscheinend in der frühen Zeit der Chirurgie nicht die verheerende Rolle gespielt hat, die sie später dann zu einer der Geißeln der Menschheit werden ließ. Erst das Zusammenkommen von Menschenmassen in den engen Städten des Mittelalters und der Gründung der Hospitäler unter damaligen hygienischen Bedingungen haben für Infektionserreger geradezu ideale Lebens- und Ausbreitungsbedingungen geschafft.

Schon Aristoteles, ca. 350 Jahre v.Chr., hat Alexander dem Großen empfohlen, für seine Truppen das Trinkwasser abzukochen und Exkremente zu vergraben.

In der Bibel sind zahlreiche Ernährungsempfehlungen und Regelungen bezüglich des Umganges mit Leprakranken zu lesen, die für die damalige Zeit als Hygieneleitlinien betrachtet werden können.

Näher zu uns zu unterstreichen sind:
die Entdeckung des Mikroskopes und dadurch die Entdeckung der Mikroorganismen durch den holländischen Forscher Antony van Leeuwenhoek (1672-1723),
die systematische Desinfektion der Hände, vom OP Gebiet und OP Material durch Carbol- Säure und - Öl nach der Beschreibung von Lister 1867,
die Forderung der Asepsis Ende des 19. Jahrhunderts durch Ernst von Bergmann in Berlin,
die Ära der Gummihandschuhe durch den Amerikaner William Stuart Hallstaedt,

....und in Zusammenhang mit der Dampfsterilisation:
die Entdeckung der Thermolabilität der Mikroorganismen 1854 durch den Chemiker Louis Pasteur. Er brachte den Nachweis, dass Gärung durch mikroskopische Organismen hervorgerufen wird. Ferner stellte er fest, dass kurzes Erhitzen von Wein auf etwa 60 Grad diese Organismen zerstört (Pasteurisation),
die ersten Versuche der Sterilisation mit heißer Luft und strömendem Wasserdampf durch Robert Koch 1881,
die ersten Sterilisatoren im Krankenhaus 1882 in der Bonner Universitätsklinik mit Friedrich Trendelenburg und 1890 in der Charité in Berlin mit Ernst von Bergmann,
und die Entdeckung der Möglichkeit, die Bakterien durch Färbung sichtbar zu machen, durch Paul Ehrlich (Nobelpreis für Medizin oder Physiologie - 1908).

Die gegenwärtige Hygiene basiert auf diesem Grundstein und ist eine Voraussetzung des modernen Gesundheitssystems. Diesbezüglich haben sich in den letzten Dekaden die Kenntnisse rasant verfeinert. Leider hat sich gleichzeitig die Anpassungsfähigkeit der Mikroorganismen gegen die vom Menschen entwickelten Maßnahmen gesteigert. Nicht zuletzt hat hierbei die rücksichtslose, gelegentlich kriminelle Anwendung von Antibiotika eine große Rolle in der Bildung multiresistenter Erreger (z.B. MRSA) gespielt.
Hinzu haben sich bisher unbekannte Infektionserreger - Retroviren (AIDS), Prionen (Proteinkette - Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) - besorgniserregend entwickelt.

Dieses hat neue Maßnahmen erzwungen und ein besonders systematisches Vorgehen mit der Hygiene vorgeschrieben. Daher ist bei der Eingliederung der Länder in die Europäische Union neben einer Verschärfung der nationalen Rahmenbedingungen, eine Harmonisierung der Richtlinien erfolgt mit Anpassung unterschiedlicher Vorschriften an die DIN-Normen.

Um das Risiko einer Verbreitung von Infektionen durch das Sterilmaterial soweit wie möglich zu minimieren, setzt der Staat mit verbindlichen Normen, Richtlinien und Empfehlungen bzgl. der Sterilgutversorgung allgemein gültige Vorgaben einer sicheren Versorgung des Patienten unter angemessener Berücksichtigung des Personalschutzes.

Der Nachweis einer sicheren Hygiene bleibt eine Pflichtaufgabe des Arztes bei der Behandlung seiner Patienten. Sie haben einen Rechtsanspruch auf eine nachweisliche Versorgung mit einwandfreiem Sterilgut.